Manchmal sind die kleinsten Änderungen bei Google die, die für Onlinehändler und SEOs am meisten Bedeutung haben. In diesem Fall betrifft es eine Neuerung im strukturierten Daten-Setup für Produkte und Händlerangebote: das Attribut “hasAdultConsideration”. Klingt technisch, ist es auch – aber dahinter steckt eine klare Idee: Google möchte besser kennzeichnen können, welche Produkte als „Erwachseneninhalt“ gelten, um diese datenschutz- und gesetzeskonform zu handhaben.
Ich habe mir das Ganze genauer angesehen und möchte dir erklären, was dahintersteckt, wie du es nutzen solltest und was es für deinen Shop oder deine Produktdaten bedeutet. Keine Angst, das bleibt praxisnah – aber ein bisschen technischer wird es zwangsläufig.
Was ist die neue Eigenschaft „hasAdultConsideration“?
Google hat die Eigenschaft „hasAdultConsideration“ offiziell in zwei Bereiche seiner strukturierten Daten aufgenommen: einmal in die Dokumentation für Merchant Listings und einmal in die für Product Variants. Konkret geht es also um die Daten, die du zu deinen Produkten übergibst, damit sie in den Suchergebnissen oder bei Google Shopping optimal dargestellt werden.
Bisher gab es in den Feeds schon die Möglichkeit, über ein Attribut namens adult anzugeben, ob ein Artikel für Erwachsene bestimmt ist – beispielsweise durch freizügige Inhalte, erotische Kontextbilder oder Produkte mit sexueller Funktion. Jetzt gibt es eine Art strukturiertes Pendant dazu in Form dieser neuen Eigenschaft.
Was interessant ist: Google betont, dass diese Eigenschaft für eine „Parität“ mit dem bestehendem Feed-Attribut sorgt. Mit anderen Worten – man will gewährleisten, dass die Informationen, die du ohnehin im Google Merchant Center einreichen musst, nun auch als Teil deiner strukturierten Daten auf der Website vorkommen können.
Technisch bedeutet das…
Im strukturierten Datenformat (also Schema.org) funktioniert das Ganze über den sogenannten Typ AdultOrientedEnumeration. Übersetzt: eine vordefinierte Kategorie, die markiert, dass ein Produkt als „adult-oriented“ eingestuft wird.
Google schreibt dazu sinngemäß: Wenn dein Produkt Inhalte wie Nacktheit, sexuelle Handlungen oder anderes Material enthält, das nicht für Minderjährige gedacht ist, musst du dieses Produkt mit „hasAdultConsideration“ versehen. Auf diese Weise kann Google sicherstellen, dass die Anzeige gemäß Alters- und Ländergrenzen erfolgt – und eben auch rechtlich einwandfrei bleibt.
Beim Wert akzeptiert Google derzeit nur eine spezifische Variante: https://schema.org/SexualContentConsideration. Das ist also das einzige Label, das aktuell verwendet werden darf. Ich finde das bemerkenswert, weil Schema.org eigentlich mehrere mögliche Werte definiert – etwa für Gewaltinhalte oder Glücksspiel. Google hat sich aber erst einmal auf das sexuelle Thema beschränkt, vielleicht, weil das Online-Händler am häufigsten betrifft.
Warum macht Google das?
Wenn du in der E-Commerce-Welt unterwegs bist, weißt du: Google ist mittlerweile nicht nur Suchmaschine, sondern auch eine Art Aufsichtsbehörde, wenn es um Produkttransparenz geht. Alles soll standardisiert sein, kategorisiert, vor allem aber rechtskonform. Es gibt nämlich Länder, in denen Werbung für „Adult Content“ sehr strikt geregelt ist – nicht nur in Bezug auf Pornographie, sondern auch, wenn Produkte nur entfernt in diesen Bereich fallen.
Denke zum Beispiel an Dinge wie Massagegeräte, Unterwäsche mit erotischem Touch oder Bücher und Filme mit Erwachsenenbewertung. Ohne korrektes Label könnte Google theoretisch wegen Richtlinienverstößen Werbung ablehnen oder sogar Konten sperren. Mit dem neuen Attribut können sie diese Produkte einfach kennzeichnen und sicherstellen, dass sie nur für Personen sichtbar sind, die sie auch sehen dürfen (Stichwort Altersverifikation und regionale Gesetze).
Ich interpretiere das als Schritt in Richtung feinerer Kontrolle. Einerseits gibt das Händlern ein Werkzeug in die Hand, andererseits schützt es Google selbst vor regulatorischen Problemen. So gesehen also Win-Win – zumindest auf dem Papier.
Was passiert, wenn du es nicht nutzt?
Das ist eine gute Frage, und ehrlich gesagt gibt es von Google noch keine harte „Pflicht“. Momentan wird das Attribut als „empfohlen“ bezeichnet, nicht als „erforderlich“. Praktisch heißt das: deine Produkte erscheinen trotzdem, aber möglicherweise eingeschränkt oder weniger prominent. Denk zum Beispiel an Shopping Ads, die aus Jugendschutzgründen blockiert werden könnten, weil keine klare Kennzeichnung vorhanden ist.
Meine Erfahrung ist, dass Google sehr oft mit solchen optionalen Feldern beginnt – und dann nach einiger Zeit entscheidet, dass sie Pflicht werden. Wenn du schon einmal die Evolution der Produktdatenfeeds erlebt hast (zum Beispiel mit „availability“ oder „gtin“), weißt du, wie das läuft. Daher würde ich dir raten: geh lieber gleich mit gutem Beispiel voran und füge diese Eigenschaft ein, wenn sie relevant ist.
Wie funktioniert das in der Praxis?
Wenn du Schema.org-Markup auf deiner Seite verwendest – etwa JSON-LD –, kannst du ganz einfach einen zusätzlichen Block in deinen Produktdaten ergänzen. Eine einfache Version könnte etwa so aussehen (ich paraphrasiere hier und gebe keinen vollständigen Code wieder): du würdest in deinem Produktobjekt angeben, dass „hasAdultConsideration“ gesetzt ist, und ihm den Wert „SexualContentConsideration“ zuweist.
Dadurch erkennt Google, dass dein Produkt Material enthält, das nur für Erwachsene bestimmt ist. Das beeinflusst dann, wann und wo es in der Google-Suche oder in den Shopping-Tabellen erscheint. Du darfst nicht vergessen: Auch organische Suchergebnisse können von solchen Meta-Informationen betroffen sein. Wenn Google merkt, dass dein Produkt „adult“ ist, taucht es möglicherweise nicht in Vorschlägen für eingeloggte Jugendliche auf.
Interessant finde ich, dass Google trotz der Sensibilität des Themas die Produkte nicht kategorisch ausschließt. Sie „bleiben berechtigt“, wie es heißt. Aber sie unterliegen eben alters- und länderspezifischen Einschränkungen. Ein südkoreanischer Nutzer sieht also womöglich andere Produkte als ein US-amerikanischer – und das alles automatisiert über diese Kennzeichnung.
Verbindung zu Googles Adult Content Policy
Google verweist in der Ankündigung explizit auf seine Adult Content Policy. In dieser Richtlinie ist genau definiert, was als Erwachseneninhalt gilt. Das umfasst nicht nur klassische Erotikprodukte, sondern auch Dinge, die „sexuelle Erregung beabsichtigen oder fördern“. Klingt trocken, ist aber wichtig – vor allem für Betreiber, die zum Beispiel Wellness- oder Kunstprodukte verkaufen, die in Grenzbereiche fallen.
Ich habe in der Praxis schon gesehen, dass Shops abgelehnt wurden, weil Google die Produktbilder als „zu suggestiv“ bewertet hat. Selbst wenn kein Pornofernbereich betroffen war, reichte ein entsprechendes Erscheinungsbild oder Textbeschreibung aus. Mit „hasAdultConsideration“ gibst du dem Algorithmus also ein Signal, das solche Missverständnisse vermeiden kann.
Welche Auswirkungen kann das langfristig haben?
Ich sehe hier zwei Richtungen. Erstens signalisiert Google mit dieser Neuerung, dass sie ihre semantische Erkennung weiter ausbauen. Sie wollen nicht mehr nur über Wörter und Bilder bestimmen, ob ein Produkt für Erwachsene ist, sondern über strukturelle Daten. Das erleichtert maschinelles Lernen und automatisierte Filterprozesse.
Zweitens kann es langfristig auch außerhalb des Shopping-Bereichs relevant werden – zum Beispiel in der Bildersuche oder bei KI-generierten Suchergebnissen („AI Overviews“). Es ist durchaus denkbar, dass Google in Zukunft nur noch Inhalte in bestimmte Ansichten integriert, wenn diese korrekt markiert sind. Wer das vergisst, könnte also Sichtbarkeit verlieren.
Ein wenig erinnert mich das Ganze an die Zeit, als Google das „isAccessibleForFree“-Attribut für Medieninhalte eingeführt hat. Anfangs war es nur eine technische Option, später aber Voraussetzung für News-Features. Es wäre also keine Überraschung, wenn auch „hasAdultConsideration“ in ein bis zwei Jahren verpflichtend wäre.
Was du jetzt tun solltest
Wenn du Händler bist und Produkte anbietest, die irgendwie in diesen Bereich fallen könnten, würde ich dir folgende Schritte empfehlen:
- Überprüfe deine Produktfeeds im Google Merchant Center – nutzt du bereits das „adult“-Attribut?
- Wenn ja, ergänze auf deinen Produktseiten das entsprechende Schema.org-Markup mit „hasAdultConsideration“.
- Sorge dafür, dass die Werte konsistent sind. Google vergleicht oft Website-Daten mit Feed-Daten. Inkonsistenzen können zu Crawling-Problemen führen.
- Teste die Seiten im Rich Results Test Tool von Google. Damit kannst du prüfen, ob deine strukturierten Daten gültig sind.
- Denke auch an internationale Aspekte. Manche Länder haben strengere Definitionen als andere.
Ich weiß, das klingt nach zusätzlicher Arbeit, aber wenn du das jetzt sauber aufsetzt, bist du auf der sicheren Seite. Und seien wir ehrlich: Lieber kennzeichnest du freiwillig ein Produkt als „Adult Content“, als dass Google dich mit einer Richtlinienverletzung überrascht.
Ein persönlicher Gedanke dazu
Aus meiner Erfahrung neigen viele Händler dazu, solche Details zu übersehen – „ach, das ist doch nur für Erotikartikel“. Aber Google zieht die Grenze manchmal anders, als du denkst. Selbst ein Buchcover mit erotischem Motiv oder ein medizinisches Produkt mit sexualbezogener Wirkung kann schon erfasst werden.
Ich finde, diese Entwicklung zeigt, wie sehr sich die Welt des E-Commerce in Richtung semantischer Verantwortung bewegt. Suchmaschinen werden vorsichtiger, transparenter – und auch etwas strenger. Aber wer früh reagiert, profitiert später davon.
Und wer weiß: Vielleicht wird in Zukunft nicht nur Kennzeichnung für Erwachsene, sondern auch für andere sensible Bereiche verpflichtend – etwa Gewalt, politische Inhalte oder Glücksspiel. Das Muster lässt sich jedenfalls erahnen.
Fazit
Die neue Eigenschaft hasAdultConsideration ist mehr als nur ein weiteres Schema.org-Feld. Sie steht für Googles Versuch, den Onlinehandel klarer und gesetzeskonformer zu gestalten. Wenn du also Produkte anbietest, die irgendwie mit Erotik, Sexualität oder Nacktheit zu tun haben, solltest du jetzt handeln.
Technisch ist das schnell umgesetzt, aber strategisch kann es entscheidend sein. Du verhinderst unnötige Sperrungen, sorgst für Vertrauen bei deinen Nutzern – und vor allem: du sprichst die Sprache, die Google hören will.
Wie immer gilt: Wer seine Daten richtig strukturiert, macht es Suchmaschinen und Käufern leichter, das zu finden, was wirklich gemeint ist. Und genau darum geht es ja im Kern jeder guten SEO-Arbeit.







