Unbestätigte Google Updates und KI Ads verändern die SEO Strategie drastisch

Tom Brigl  –

Veröffentlicht:

19.08.2026,

Letzte Aktualisierung:

19.08.2026
Inhaltsverzeichnis

Wenn du dich beruflich mit SEO, Suchmaschinenwerbung oder digitaler Sichtbarkeit beschäftigst, war diese Woche wieder so eine, bei der man morgens die Rankings prüft und erst einmal denkt: „Okay, was ist denn jetzt schon wieder passiert?“ Mehrere Signale deuteten auf kräftige Bewegungen in der Google-Suche hin, ohne dass Google offiziell ein großes Update bestätigt hätte. Genau das macht solche Phasen oft unangenehm: Du siehst Ausschläge, Tools schlagen an, Kunden oder interne Teams fragen nach Erklärungen – und gleichzeitig gibt es keine klare Ansage, an der man sich festhalten kann.

Besonders spannend war dabei nicht nur die Ranking-Volatilität Anfang August, sondern auch die Debatte um Reddit in den Google-Ergebnissen, die Sichtbarkeit von KI-Suchanfragen in der Search Console und eine ganze Reihe von Änderungen rund um Google Ads, Bing, ChatGPT Ads und Googles KI-Führung. Aus meiner Erfahrung sind solche Wochen oft weniger wegen einer einzigen Nachricht wichtig, sondern wegen des Gesamtbildes. Man merkt: Die Suche bewegt sich gerade nicht in kleinen, gemütlichen Schritten. Sie wird technischer, werblicher, stärker KI-getrieben – und für dich als Betreiber einer Website, SEO oder Advertiser auch ein Stück unberechenbarer.

Google-Rankings schwanken ungewöhnlich stark

Der auffälligste Punkt war die Berichterstattung über gleich zwei unbestätigte Google-Ranking-Updates. Das erste spielte sich rund um den 1. August ab und verstärkte sich offenbar bis zum 3. August. Kurz darauf gab es erneut Bewegungen, besonders um den 5. und 6. August herum. Offiziell bestätigt wurde das Ganze nicht, aber die Signale waren wohl deutlich genug, dass viele in der SEO-Szene genauer hingeschaut haben.

Solche unbestätigten Updates sind für dich in der Praxis meistens schwieriger als bestätigte Core Updates. Bei einem offiziellen Core Update weißt du wenigstens: Google verändert gerade etwas Größeres, und du kannst deine Daten in diesem Kontext bewerten. Bei unbestätigten Schwankungen bleibt hingegen immer ein Rest Unsicherheit. War es ein Test? Ein Teil eines größeren Rollouts? Eine Anpassung im Bewertungssystem? Oder schlicht normale Fluktuation, die durch mehrere Faktoren gleichzeitig ausgelöst wurde?

Der Zeitraum Anfang August scheint jedenfalls nicht ruhig gewesen zu sein. Wenn du bei deinen Projekten in diesen Tagen starke Ausschläge gesehen hast, solltest du sie nicht sofort als isoliertes Problem deiner Website interpretieren. Gerade wenn mehrere unabhängige Tracking-Tools und viele Website-Betreiber ähnliche Bewegungen melden, spricht einiges dafür, dass Google im Hintergrund an den Ranking-Systemen geschraubt hat. Vielleicht nicht mit großem Presseauftritt, aber spürbar.

Ich würde in so einer Phase nicht hektisch einzelne Seiten umbauen. Das ist ein Fehler, den ich immer wieder sehe. Rankings fallen zwei Tage, und plötzlich wird an Überschriften, interner Verlinkung, Meta-Daten und ganzen Content-Strukturen herumoperiert. Manchmal macht man dadurch mehr kaputt als besser. Sinnvoller ist es, zuerst sauber zu prüfen: Welche Seitentypen sind betroffen? Sind es ältere Inhalte, kommerzielle Seiten, Ratgeber, Produktseiten? Gibt es Muster bei Suchintentionen? Sind nur einzelne Keywords schwach oder ganze Themenbereiche?

Wichtig ist: Volatilität bedeutet nicht automatisch Abstrafung. Sie bedeutet zunächst nur Bewegung. Google testet, gewichtet neu, verschiebt Ergebnisse, zieht andere Quellen stärker heran oder bewertet Nutzerintentionen anders. Wenn du eine solide Website mit brauchbarem Inhalt betreibst, ist Ruhe manchmal tatsächlich die bessere erste Reaktion. Nicht Nichtstun aus Bequemlichkeit, sondern bewusstes Beobachten.

Was du bei solchen Ausschlägen prüfen solltest

Ich würde mir zuerst die Daten aus mehreren Blickwinkeln ansehen. Die Search Console zeigt dir, ob Impressionen, Klicks, durchschnittliche Positionen oder nur einzelne Query-Gruppen betroffen sind. Analytics- oder Serverdaten sagen dir, ob der Traffic tatsächlich eingebrochen ist oder ob nur Ranking-Tools Alarm schlagen. Das klingt banal, aber in der Praxis werden Ranking-Schwankungen manchmal größer wahrgenommen, als sie wirtschaftlich tatsächlich sind.

Wenn du zum Beispiel für informationsorientierte Suchbegriffe verlierst, aber deine transaktionalen Seiten stabil bleiben, ist das anders zu bewerten als ein breiter Sichtbarkeitsverlust über alle Seitentypen. Und wenn du plötzlich mehr Sichtbarkeit bekommst, solltest du genauso ruhig bleiben. Auch Gewinne während unbestätigter Updates können sich nach ein paar Tagen wieder relativieren. Ich habe schon Projekte gesehen, die für 72 Stunden wie Gewinner aussahen und danach wieder ziemlich genau dort waren, wo sie vorher standen.

Die Ranking-Bewegungen Anfang August passen jedenfalls in ein Bild, das viele SEOs schon länger beobachten: Google wirkt in manchen Bereichen nervöser. Die Suchergebnisse werden häufiger umgebaut, KI-Antworten verändern Klickpfade, Foren und Community-Inhalte tauchen auffällig oft auf, und klassische Publisher oder kleine Fachseiten spüren teils erheblichen Druck. Das heißt nicht, dass SEO tot wäre – diese Formulierung ist ohnehin seit 20 Jahren langweilig. Aber SEO wird anspruchsvoller, weil du nicht mehr nur gegen andere Websites konkurrierst, sondern gegen neue Ergebnisformate, KI-Flächen, Werbeelemente und Plattformen mit riesiger Nutzerdatenbasis.

Reddit, KI-Suche und Search Console: Wo Google Transparenz verspricht – und wo nicht

Ein zweiter großer Themenblock drehte sich um die Frage, ob Reddit in Google bevorzugt wird. Google erklärte, dass Reddit keine Sonderbehandlung in den normalen Suchrankings oder in KI-Ergebnissen bekomme. Das ist eine wichtige Aussage, aber sie löst die Diskussion nicht vollständig auf. Denn viele SEOs haben subjektiv den Eindruck, dass Reddit und ähnliche Community-Plattformen in den letzten Jahren deutlich präsenter geworden sind.

Hier muss man, finde ich, sauber unterscheiden. Eine ausdrückliche manuelle Bevorzugung ist etwas anderes als ein Ranking-System, das bestimmte Signaltypen stärker belohnt. Wenn Google etwa Inhalte bevorzugt, die echte Diskussionen, verschiedene Perspektiven, aktuelle Erfahrungswerte oder Nutzermeinungen enthalten, dann profitieren Plattformen wie Reddit fast automatisch. Nicht weil jemand Reddit auf Platz eins schiebt, sondern weil die Systemlogik zu solchen Inhalten passt.

Für dich ist die praktische Konsequenz interessanter als die semantische Debatte. Wenn Reddit bei deinen Keywords stark sichtbar ist, solltest du dich fragen, was Google dort offenbar als wertvoll erkennt. Geht es um Produkterfahrungen? Um ungefilterte Meinungen? Um Vergleiche aus Nutzersicht? Um Probleme, die klassische Ratgeber zu glatt behandeln? Manchmal sind Community-Threads erfolgreich, weil sie eine Suchintention ehrlicher bedienen als perfekt polierte Marketingtexte.

Das heißt nicht, dass du jetzt anfangen solltest, Reddit zu kopieren. Bitte nicht. Aber du kannst daraus lernen. Ein Ratgeber, der nur allgemeine Aussagen wiederholt, hat es schwer gegen echte Erfahrungsberichte. Eine Produktseite, die nur Vorteile aufzählt, wirkt dünn neben Diskussionen, in denen Nutzer auch Schwächen, Alternativen und Randfälle ansprechen. Aus meiner Erfahrung gewinnen Inhalte häufiger dann, wenn sie konkreter, kantiger und näher an echten Fragen sind.

AI Mode in der Search Console: sichtbar, aber nicht dort, wo man es erwartet

Ein weiteres Detail betrifft Googles AI Mode. Es wurde klargestellt, dass die Google Search Console durchaus Suchanfragen aus dem AI Mode anzeigen kann. Allerdings erscheinen diese Daten offenbar nicht dort, wo viele sie erwarten würden, nämlich nicht in speziellen Berichten für generative KI. Stattdessen können solche Anfragen in den normalen Leistungsdaten auftauchen.

Das ist ein typisches Google-Reporting-Thema: Daten sind vorhanden, aber die Einordnung bleibt mühsam. Wenn du wissen willst, wie KI-basierte Suchfunktionen deine Website beeinflussen, bekommst du damit nur einen indirekten Blick. Du kannst möglicherweise Queries sehen, aber nicht unbedingt klar trennen, ob sie aus klassischer Suche, KI-Modus oder anderen Darstellungsformen stammen. Genau diese Trennschärfe wäre für viele Website-Betreiber enorm wichtig.

Warum? Weil eine Impression in einem klassischen Suchergebnis etwas anderes bedeutet als eine Erwähnung oder Verlinkung in einem KI-Kontext. Klickwahrscheinlichkeiten unterscheiden sich. Nutzerverhalten unterscheidet sich. Auch die Frage, ob deine Marke sichtbar war oder nur eine URL irgendwo mitlief, ist nicht trivial. Wenn du Reports für Kunden oder Geschäftsführung baust, willst du nicht raten müssen.

Im Moment bleibt dir wahrscheinlich nur, Veränderungen sehr aufmerksam zu beobachten. Wenn bestimmte Query-Typen plötzlich mehr Impressionen, aber weniger Klicks erzeugen, kann das ein Hinweis auf veränderte SERP-Darstellungen sein. Nicht zwingend, aber möglich. Gerade bei informationslastigen Themen kann KI-Suche die Klickrate drücken, obwohl Sichtbarkeit formal noch vorhanden ist. Das ist einer dieser Punkte, die in Dashboards oft harmlos aussehen, aber strategisch ziemlich relevant sind.

Googlebot wird technischer: mehr HTTP-Methoden im Blick

Technisch interessant war außerdem die Aussage, dass Google-Crawler nicht nur klassische GET- und POST-Anfragen senden können, sondern auch Methoden wie HEAD, OPTIONS, PUT, PATCH und DELETE. Für normale Content-Teams klingt das vielleicht nach Serverraum-Geräusch, aber für technische SEOs und Entwickler ist es durchaus wichtig.

Webserver, Firewalls, APIs und Sicherheitsregeln reagieren auf unterschiedliche HTTP-Methoden verschieden. Wenn ein System nicht sauber konfiguriert ist, können ungewöhnliche Requests Fehlermeldungen, Blockierungen oder merkwürdige Log-Einträge erzeugen. Das heißt nicht, dass Google nun überall munter DELETE-Anfragen ausführt und Inhalte löscht – so simpel ist es natürlich nicht. Aber du solltest wissen, dass Googlebot in technischer Hinsicht vielfältiger agieren kann, als manche Setups einkalkulieren.

Wenn du eine große Website, ein komplexes CMS oder API-nahe Strukturen betreibst, lohnt sich ein Blick in die Serverlogs. Nicht panisch, eher neugierig. Werden Googlebot-Anfragen korrekt beantwortet? Gibt es unnötige 403er, 405er oder 500er? Blockt eine Sicherheitslösung legitime Crawler-Aktivität? Gerade bei größeren Relaunches habe ich schon erlebt, dass solche technischen Kleinigkeiten später zu handfesten Indexierungsproblemen wurden. Meistens merkt man es erst, wenn Rankings weg sind. Dann ist es lästig.

Gemini ersetzt den Google Assistant auf Mobilgeräten

Ein eher produktstrategisches, aber trotzdem wichtiges Thema: Google Assistant soll auf Mobilgeräten am 4. September durch Gemini ersetzt werden. Das ist mehr als nur ein Namenswechsel. Es zeigt, wie konsequent Google klassische Assistenzfunktionen in Richtung generativer KI verschiebt.

Der alte Google Assistant war stark auf Befehle, kurze Antworten, Gerätesteuerung und schnelle Abfragen ausgelegt. Gemini steht für ein anderes Paradigma: längere Dialoge, komplexere Aufgaben, Kontextverständnis, Multimodalität und stärkere Einbindung in Googles KI-Ökosystem. Für dich als Nutzer kann das komfortabler werden. Für Marketer und SEOs bedeutet es aber auch: Suchverhalten wird noch weniger linear.

Früher stellte jemand eine kurze Frage und klickte auf ein Suchergebnis. Künftig kann dieselbe Person mit einem KI-Assistenten sprechen, nachfragen, vergleichen, zusammenfassen lassen und vielleicht erst sehr spät – oder gar nicht – eine Website besuchen. Das verändert den Wert einzelner Rankings. Es verändert auch, wie Inhalte aufbereitet sein sollten. Klarheit, strukturierte Informationen, belastbare Fakten und erkennbare Expertise werden wichtiger, weil KI-Systeme Inhalte verstehen, extrahieren und weiterverarbeiten müssen.

Ich wäre hier allerdings vorsichtig mit übertriebenen Prognosen. Nicht jeder Nutzer wird über Nacht seine Gewohnheiten ändern. Viele Menschen nutzen Assistenten für Wetter, Timer und Navigation, nicht für komplexe Kaufentscheidungen. Aber die Richtung ist eindeutig. Google baut seine mobile Nutzererfahrung stärker um Gemini herum. Wenn du langfristig Sichtbarkeit willst, solltest du KI-Suche nicht als Nebenthema behandeln.

Werbung, Tools und Plattformen: Google Ads bekommt viel Bewegung

Der dritte große Bereich war Werbung. Google Ads testet offenbar Anchor-Text-Links in gesponserten Ergebnisbeschreibungen. Das klingt zunächst nach einer kleinen UI-Spielerei, kann aber für die Praxis relevant sein. Wenn Anzeigenbeschreibungen klickbare Textbereiche erhalten, verändert sich die Art, wie Nutzer mit Anzeigen interagieren. Es könnte mehr Einstiegspunkte geben, mehr Kontext, vielleicht auch mehr Verwirrung, je nachdem, wie sauber Google das darstellt.

Dazu kamen Tests mit sogenannten Strong-Match-Labels. Solche Hinweise sollen vermutlich signalisieren, dass eine Anzeige besonders gut zur Suchanfrage passt. Für Werbetreibende kann das attraktiv sein, weil es Vertrauen erzeugt. Gleichzeitig stellt sich immer die Frage, wie stark solche Labels das Klickverhalten beeinflussen und ob kleinere Advertiser dadurch benachteiligt werden, wenn sie weniger Daten oder weniger breite Kampagnenstrukturen haben.

Ein weiteres Thema war ein Video-Q&A zur Gebotsänderung vom 17. August. Das deutet darauf hin, dass Google Ads an seinen Bidding-Systemen weiter justiert und offenbar Erklärungsbedarf sieht. Automatisierte Gebotsstrategien sind ja längst Standard, aber sie bleiben eine Blackbox. Du gibst Ziele, Budgets und Signale hinein, und Google entscheidet zunehmend selbst, welche Auktionen wertvoll sind. Das funktioniert oft gut, manchmal überraschend gut. Aber wenn es schiefgeht, ist Ursachenanalyse nicht immer angenehm.

Dann gab es noch ein sehr praktisches Problem: Das Ad Preview and Diagnosis Tool war durch einen Captcha-Bug gestört. Solche Fehler wirken klein, nerven im Alltag aber gewaltig. Wenn du Anzeigen prüfen willst, ohne Impressionen auszulösen, brauchst du dieses Tool. Wenn es klemmt, wird die Diagnose unnötig kompliziert. Gerade Agenturen kennen das: Man will nur kurz überprüfen, ob eine Anzeige korrekt ausgespielt wird, und plötzlich verbringt man zwanzig Minuten mit einem Toolfehler.

Neue Shopping-Hinweise und strengere Sicherheit

Bei Product Listing Ads wurde ein experimenteller Hinweis namens „Deal Ends“ getestet. Gemeint ist eine Annotation, die Nutzern zeigt, wann ein Angebot endet. Das ist psychologisch nicht neu – Verknappung und Dringlichkeit funktionieren im Handel seit Ewigkeiten. Aber direkt in Shopping-Anzeigen kann so ein Hinweis die Klick- und Kaufentscheidung durchaus beeinflussen.

Für Händler kann das spannend sein, solange die Daten sauber sind. Falsche Angebotszeiträume oder ausgelaufene Rabatte sind Gift für Vertrauen. Wenn du Shopping-Kampagnen betreibst, solltest du ohnehin darauf achten, dass Merchant-Center-Daten, Preise, Verfügbarkeiten und Promotion-Informationen konsistent sind. Je mehr Google solche Zusatzinfos prominent ausspielt, desto weniger verzeiht das System schlampige Feeds.

Sicherheitsseitig verschärft Google Ads den Umgang mit kostenlosen E-Mail-Konten. Bestimmte sensible Änderungen sollen mit solchen Konten nicht mehr möglich sein. Das ist nachvollziehbar. Werbekonten sind finanzielle und strategische Assets. Wenn jemand Zugriff auf Budget, Zahlungsdaten, Kampagnenstruktur oder Tracking-Einstellungen hat, willst du keine schwache Identitätsbasis. Für Unternehmen heißt das: Nutze professionelle Konten, saubere Rechtevergabe und am besten eine Organisation, in der Zugriffe dokumentiert sind.

Ab dem 1. September 2026 sollen außerdem automatisch erstellte Assets und kampagnenweite Broad-Match-Einstellungen zu AI Max migriert werden. Das ist eine dieser Änderungen, bei denen ich jedem Advertiser raten würde: Warte nicht bis zum letzten Tag. Prüfe vorher, welche Kampagnen betroffen sind, welche Assets automatisch generiert wurden und ob Broad Match auf Kampagnenebene wirklich zu deiner Strategie passt.

AI Max steht für noch stärkere Automatisierung. Das kann Reichweite und Effizienz bringen, aber nur, wenn deine Grundlagen stimmen. Schlechte Landingpages, unklare Conversion-Ziele oder unsaubere Daten werden durch KI nicht magisch besser. Im Gegenteil: Automatisierung skaliert oft auch Fehler. Ein etwas unbequemer Satz, aber wahr.

Bing, Microsoft Ads und ChatGPT Ads ziehen nach

Nicht nur Google bewegte sich. Bing Webmaster Tools kündigte Filtermöglichkeiten auf Seiten- und Suchanfragenebene in Berichten an. Das klingt trocken, ist aber für Analysearbeit nützlich. Je besser du Daten nach URL und Query segmentieren kannst, desto leichter erkennst du echte Muster. Gerade im Vergleich zu Googles manchmal eher groben Reports kann zusätzliche Granularität ein Vorteil sein.

Microsoft Advertising arbeitet ebenfalls weiter an Performance-Max-ähnlichen Kampagnenfunktionen, unter anderem mit neuen Ausschlüssen für Zielgruppenplatzierungen und Altersgruppen. Für dich als Advertiser bedeutet das etwas mehr Kontrolle in einem Kampagnentyp, der traditionell stark automatisiert ist. Kontrolle ist hier das Stichwort. Viele Plattformen versprechen Automatisierung, aber Werbetreibende wollen trotzdem wissen, wo ihr Geld landet und welche Zielgruppen ausgeschlossen werden können.

Besonders interessant sind die Updates bei ChatGPT Ads. Genannt wurden neue Anzeigenformate und Funktionen wie oCPC, dynamische URLs und Multi-Product-Carousels. Das zeigt ziemlich deutlich, dass Werbung in KI-Umgebungen erwachsen wird. Am Anfang war viel Spekulation: Werden Chatbots überhaupt Anzeigen haben? Wenn ja, wie sehen sie aus? Jetzt wird es konkreter.

Multi-Product-Carousels etwa erinnern an klassische Shopping- oder Social-Commerce-Formate, nur eben in einem konversationellen Umfeld. Dynamische URLs können Anzeigen flexibler machen. oCPC deutet auf performanceorientierte Optimierung hin. Kurz gesagt: KI-Antwortsysteme entwickeln sich nicht nur zu Informationsschnittstellen, sondern auch zu Werbeinventar.

Das kann für Marken eine Chance sein, aber auch ein neues Messproblem. Wenn Nutzer innerhalb eines Chatverlaufs Produkte entdecken, vergleichen und auswählen, wird Attribution noch komplexer. War der erste Impuls eine klassische Suche? Eine KI-Empfehlung? Eine Anzeige im Chat? Ein organischer Markenname, der im Modellwissen auftauchte? Da wird es noch einige unsaubere Übergangsphasen geben, und vermutlich auch ein paar fragwürdige Dashboards, die mehr Sicherheit vorgaukeln, als sie liefern.

Googles KI-Führung wird umgebaut

Zum Schluss gab es noch große Veränderungen in Googles KI-Führung. Jeff Dean verlässt offenbar seine bisherige Rolle, während Demis Hassabis eine neue Aufgabe übernimmt. Solche Personalien wirken auf den ersten Blick weit weg vom Alltag eines Website-Betreibers. Aber bei einem Unternehmen wie Google sind Führungswechsel im KI-Bereich durchaus ein Signal.

Google steht unter massivem Druck. KI-Suche, Gemini, Konkurrenz durch ChatGPT, neue Anzeigenmodelle, Entwicklerplattformen, Cloud-KI – all das hängt strategisch zusammen. Wenn Führungsrollen neu zugeschnitten werden, geht es meistens nicht nur um Organigramme. Es geht darum, Prioritäten zu verschieben und Geschwindigkeit aufzubauen.

Für dich heißt das nicht, dass du jeden Managerwechsel interpretieren musst. Aber du solltest verstehen: Die Richtung ist klar. Google bündelt mehr Energie rund um KI. Suche, Werbung, Assistenzsysteme und Entwicklerprodukte wachsen enger zusammen. Das alte Bild von „SEO hier, Ads dort, Assistant irgendwo daneben“ passt immer weniger. Es entsteht ein Ökosystem, in dem Inhalte, Anzeigen und KI-Antworten stärker ineinandergreifen.

Mein persönlicher Eindruck: Wer jetzt nur auf klassische blaue Links schaut, sieht nur noch einen Teil des Spielfelds. Trotzdem sind saubere Websites, gute Inhalte, technische Stabilität und klare Angebote nicht weniger wichtig geworden. Eher im Gegenteil. Je mehr KI-Systeme dazwischengeschaltet werden, desto wichtiger wird es, dass deine Informationen eindeutig, vertrauenswürdig und maschinenlesbar sind.

Was du aus dieser Woche mitnehmen solltest

Die wichtigste Lehre aus dieser Nachrichtenlage ist für mich: Du brauchst Gelassenheit und Wachsamkeit gleichzeitig. Gelassenheit, weil nicht jede Ranking-Bewegung sofort eine Krise ist. Wachsamkeit, weil sich die Suchlandschaft tatsächlich rasant verändert. Google testet und verschiebt, KI-Funktionen verändern Reports und Nutzerverhalten, Werbeplattformen automatisieren aggressiver, und neue Anzeigenflächen entstehen direkt in KI-Systemen.

Wenn du SEO machst, beobachte die August-Schwankungen sorgfältig, aber reagiere nicht überstürzt. Wenn du Ads betreibst, prüfe kommende Migrationen, Sicherheitsanforderungen und neue Automatisierungen frühzeitig. Wenn du strategisch planst, denk KI-Suche nicht als Zukunftsmusik, sondern als Gegenwart mit noch ziemlich unscharfen Konturen.

Manchmal ist es überraschend, wie schnell sich einzelne Meldungen, die für sich genommen klein wirken, zu einem großen Bild zusammensetzen. Diese Woche war genau so ein Fall: Ranking-Volatilität, Reddit-Debatte, AI-Mode-Daten, Gemini-Umstellung, Ads-Automatisierung und KI-Führungswechsel. Alles hängt nicht perfekt zusammen, aber es zeigt in dieselbe Richtung. Suche wird dynamischer, stärker automatisiert und stärker von KI geprägt. Und du bist gut beraten, deine Daten, deine Inhalte und deine Kampagnen so aufzustellen, dass du nicht bei jeder neuen Welle komplett von vorne anfangen musst.

Tom Brigl

Tom ist Dipl. Betrw. und Geschäftsführer. Er bringt 21 Jahre E-Commerce-Erfahrung sowie 17 Jahre eigenes Agentur-Business mit.
Sein Ding: SEO und GEO für Online-Shops – damit du bei Google und in der KI-Suche gefunden wirst.

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