Wenn du schon einmal erlebt hast, wie sich ein Google Core Update auf die Rankings deiner Website auswirkt, weißt du, dass solche Phasen oft wie eine Achterbahnfahrt wirken: Zuerst geht es heftig auf und ab, dann pendelt sich alles langsam ein. Und vielleicht fragst du dich – passiert das alles auf einmal, oder steckt dahinter ein gestufter Prozess? Genau darauf ging kürzlich John Mueller von Google ein, und seine Antwort bringt ein bisschen mehr Klarheit in das, was intern bei diesen Updates passiert.
Warum Core Updates so unberechenbar wirken
Jedes Mal, wenn ein Core Update angekündigt wird, kann man die kollektive Nervosität der SEO-Community förmlich spüren. Rankings schwanken in Wellen, Traffic-Kurven schlagen aus, und selbst etablierte Seiten sind manchmal betroffen. Die zentrale Frage, die daraus entsteht: Wird das Ganze in Etappen veröffentlicht – oder „drückt“ Google den Knopf einmal und schaut, was passiert?
Ein SEO fragte genau das auf Bluesky: ob die Core Updates in bestimmten Abschnitten veröffentlicht oder ob sie in einem großen Schub gestartet und dann laufend verfeinert werden. Diese Beobachtung ist nicht zufällig – wer mehrere Updates mitgemacht hat, erkennt oft ein Muster: ein erster großer Ausschlag, dann kleinere Nachbeben, manchmal sogar klare zweite Phasen innerhalb der zwei bis drei Wochen, die Google für Rollouts ansetzt.
Was John Mueller dazu sagt
Johns Antwort ist typisch für ihn: nüchtern, aber mit kleinen Hinweisen, die viel aussagen. Er erklärte, dass Google solche Updates nicht in öffentlich kommunizierte „Stufen“ teilt. Allerdings – und hier wurde es interessant – betonte er, dass die Änderungen oft „Schritt für Schritt“ erfolgen müssen, statt als ein einziger, abgeschlossener Durchlauf. Grund sei, dass bei Core Updates viele verschiedene Systeme involviert sind, die zusammenarbeiten müssen. Manche Teile könnten nicht einfach gleichzeitig aktiviert werden, sondern brauchen ihre eigene Reihenfolge und Abstimmung.
„Wir kündigen keine Stufen bei Core Updates an. Weil es sich um große, breit gefächerte Änderungen an unseren Algorithmen und Systemen handelt, müssen diese manchmal in Schritten ablaufen – nicht alle auf einmal. Das erklärt auch, warum sie Zeit brauchen, um vollständig live zu sein.“
Das ist ein wichtiger Hinweis: Es gibt also keinen großen „Hebel“, der alles gleichzeitig umstellt. Vielmehr läuft es über verschiedene Systeme, deren Aktualisierung sequenziell verlaufen kann – und dadurch entstehen womöglich die spürbaren Wellen im Rankingverlauf.
Kein automatischer Ablauf: Jedes Update ist anders
Mueller betonte außerdem, dass es keine standardisierte „Core-Update-Maschine“ gibt. Kein Ein-Schalter, der regelmäßig betätigt wird. Jedes Update nimmt Bezug auf das, woran die verschiedenen Teams gerade gearbeitet haben – und diese Systeme können sich mit der Zeit verändern. Manchmal betrifft ein Update die Bewertung von Inhalten stärker, manchmal dreht es sich mehr um Nutzersignale, Crawl-Verhalten oder Spam-Erkennung.
Dieser flexible, teambasierte Ansatz führt dazu, dass sich kein Core Update exakt wie das andere verhält. Jedes folgt einem eigenen Ablauf, abhängig davon, welche Systeme angepasst oder neu kombiniert werden. Das erklärt auch, warum sich Updates unterschiedlich „anfühlen“ können – manche wirken sofort massiv, andere entfalten sich leiser und schleichen sich über Tage hinweg ein.
Warum die Volatilität in Wellen kommt
Das, was SEOs als „Rollercoaster“ wahrnehmen – diese wellenartigen Rankingverschiebungen – dürfte in vielen Fällen dadurch entstehen, dass die Updates inkrementell ausgerollt werden. Wenn ein Teil des Algorithmus zuerst angepasst wird und andere Komponenten noch nachziehen, wirkt das auf die Suchergebnisse uneinheitlich. Erst wenn alle Systeme wieder synchron arbeiten, stabilisiert sich das Bild.
Das bedeutet: Wenn du plötzliche Einbrüche oder unerklärliche Sprünge während des Core-Updates siehst, ist Vorsicht angebracht. Es ist häufig zu früh, um Schlussfolgerungen zu ziehen. Aus meiner Erfahrung – und die deckt sich mit unzähligen Beobachtungen anderer SEOs – ist es klüger, den gesamten Rollout abzuwarten, bevor du reagierst. Was heute nach einem dramatischen Verlust aussieht, kann sich morgen schon wieder normalisieren.
Zusammenhang mit Spam Updates
Interessant ist auch der zeitliche Zusammenhang zwischen dem März 2026 Spam Update und dem darauffolgenden Core Update. Solche zeitlichen Überschneidungen sind vermutlich kein Zufall. Spam-Algorithmen und Core-Algorithmen greifen ineinander – schließlich beeinflusst Spamfilterung, welche Inhalte überhaupt im Core-Ranking berücksichtigt werden. Aus technischer Sicht ergibt es Sinn, bestimmte Spamfilter vorab zu aktualisieren, um das Spielfeld zu bereinigen, bevor das Core-System neue Bewertungen und Gewichtungen anwendet.
Wenn man so will, bereiten Spam Updates den Boden für die eigentliche Kernaktualisierung. Google bezeichnet das selbst selten offiziell so, aber historisch gesehen sind diese Übergänge häufig eng miteinander verbunden.
Ein Blick in die Geschichte: Früher war alles „einfacher“
Wer SEO schon länger betreibt, erinnert sich vielleicht an den Begriff „Google Dance“. Das war Anfang der 2000er Jahre, als Updates im Monatsrhythmus kamen und tagelang für massive Bewegung in den SERPs sorgten. Damals stand vor allem das Neuindexieren im Vordergrund: Google fügte neue Seiten hinzu, löschte alte, sortierte das Ranking neu. Kein Vergleich zur heutigen Komplexität.
Erst mit dem berühmten „Florida Update“ im Jahr 2003 wurde klar, dass Google tiefergehende algorithmische Änderungen vornimmt – also nicht nur neue Inhalte einordnet, sondern das gesamte Bewertungssystem umbaut. Das war quasi der Beginn dessen, was wir heute als Core Updates kennen. Seitdem sind diese Phasen gewissermaßen chirurgische Eingriffe am laufenden Körper des Algorithmus.
Wie man sich Core Updates vorstellen kann
Eine Analogie, die ich nützlich finde: Stell dir Google wie ein großes Software-System vor, das auf einer eigenen Hardware- und Infrastruktur-Ebene läuft. Ein Core Update betrifft nicht nur ein sichtbares Feature im „Programm“, sondern oft das Betriebssystem darunter. Es können neue Rankingmodelle eingeführt, interne Berechnungen umgestellt oder Netzwerkprozesse optimiert werden, auf denen die Bewertungssysteme überhaupt erst laufen.
Das erklärt, warum Google solche Änderungen schrittweise und vorsichtig einführt. Selbst minimale Code-Anpassungen können enorme Auswirkungen auf Milliarden von Suchanfragen haben. Die inkrementelle Veröffentlichung minimiert das Risiko, dass ein Fehler mit globaler Tragweite entsteht.
Was das für dich als SEO bedeutet
Erstens: Panik ist der schlechteste Ratgeber während eines Core Updates. Weil diese Updates phasenweise ablaufen, spiegeln Zwischenstände kein endgültiges Ergebnis wider. Wenn du also Bewegungen siehst, beobachte sie, aber handle nicht reflexartig.
Zweitens: Analysiere erst nach der vollständigen Bestätigung, dass das Update abgeschlossen ist. In der Regel informiert Google über den offiziellen Rollout-Status. Erst danach lohnt sich eine saubere Ursachenanalyse – vorher wäre das wie ein Arzt, der mitten in der Operation nach der Temperatur fragt.
Drittens: Konzentriere dich langfristig auf Qualitätsfaktoren. Damit meine ich nicht einfach E-E-A-T nach Schema F, sondern echtes Nutzerverständnis, klare Inhaltsstruktur, technische Stabilität und Themenrelevanz. Core Updates greifen im Kern auf Signale solcher Art zu; kurzfristige „Tuning“-Tricks werden langfristig fast immer bestraft.
Ein persönlicher Gedanke
Ich habe mittlerweile über zwanzig dieser großen Algorithmuswellen miterlebt – vom Panda-Update bis zu den heutigen Core-Rollouts – und eines ist konstant: Wer ehrlich an der Qualität seiner Inhalte und deren Nutzen für den Leser arbeitet, gewinnt langfristig. Selbst wenn man kurzfristig verliert, gleichen spätere Updates vieles wieder aus, weil die großen Linien bei Google immer in Richtung „Relevanz und Vertrauen“ zeigen.
Es lohnt sich außerdem, Log-Daten und Crawl-Muster im Blick zu behalten. Ein plötzlicher Anstieg oder Rückgang in Crawling-Aktivität kann auf laufende Systemänderungen hindeuten – manchmal sogar bevor sichtbare Rankingverschiebungen eintreten. Ich kenne Agenturen, die genau darauf ein Frühwarnsystem aufgebaut haben, um Core-Update-Phasen besser zu antizipieren.
Fazit: Core Updates sind kein einzelner Knopfdruck
Aus Muellers Antworten lässt sich deutlich herauslesen, dass Core Updates keine isolierten Ereignisse sind, sondern komplexe, miteinander verflochtene Abläufe. Sie entstehen aus der Arbeit vieler Teams, betreffen zahlreiche Systeme und verlaufen strukturiert, aber nicht simultan. Deshalb dauert es manchmal Wochen, bis die Auswirkungen stabil sichtbar werden – und weshalb dieselbe Website in einer Woche verliert, in der nächsten wieder aufholt.
Wenn du also das nächste Core Update miterlebst, sieh es als Prozess, nicht als Urteil. Beobachte, dokumentiere, aber bleib ruhig. Diese Ruhe ist vielleicht die wertvollste Kompetenz, die man in der heutigen SEO-Welt haben kann – neben dem Verständnis, dass selbst Google intern iterativ lernt, testet und anpasst.
Am Ende zeigt sich: Stabilität entsteht nicht, weil du jedes Update überstehst, sondern weil du ein System aufgebaut hast, das ständige Veränderungen aushält. Genau das ist die eigentliche Kunst moderner Suchmaschinenoptimierung.







