ChatGPT Ads Multi-Produkt-Karussell bringt echtes Performance-Potenzial für Shops

Tom Brigl  –

Veröffentlicht:

19.08.2026,

Letzte Aktualisierung:

19.08.2026
Inhaltsverzeichnis

Wenn du im E-Commerce unterwegs bist oder Performance-Kampagnen steuerst, solltest du ChatGPT Ads nicht mehr als kleines Experiment am Rand betrachten. Die jüngsten Updates zeigen ziemlich deutlich, wohin die Reise geht: weg von einfachen Anzeigenplatzierungen, hin zu einem Werbesystem, das stärker auf Produktdaten, Conversion-Signale, Automatisierung und messbare Ergebnisse setzt. Besonders spannend ist dabei das neue Anzeigenformat für Produktfeeds, denn es bringt etwas in ChatGPT, das man aus klassischen Shopping-Umgebungen schon kennt: mehrere Produkte in einer einzigen Anzeige, sauber nebeneinander dargestellt, auswählbar, vergleichbar und vermutlich recht nah am Moment der Kaufabsicht.

Das klingt auf den ersten Blick vielleicht wie ein normales Anzeigen-Update. Noch ein Format, noch ein Tracking-Feature, noch eine Integration. Aber aus meiner Sicht steckt hier mehr dahinter. ChatGPT Ads bewegt sich erkennbar in Richtung eines vollwertigen Performance-Kanals. Nicht nur Branding, nicht nur Sichtbarkeit, nicht nur „mal schauen, ob Nutzer klicken“. Sondern Kampagnen, die auf Conversions optimiert werden können, mit dynamischen URL-Parametern, Pixel-Diagnosen, Conversion-APIs und externen Tracking-Plattformen. Also all den Dingen, die du brauchst, wenn du Budget nicht einfach verbrennen, sondern halbwegs kontrolliert skalieren willst.

Besonders für Online-Shops ist das interessant. Denn wenn ein Nutzer in einer Chat-Umgebung nach Produkten fragt, Empfehlungen einholt oder konkrete Kaufentscheidungen vorbereitet, ist die Situation eine andere als bei klassischer Suche oder Social Ads. Die Absicht kann sehr direkt sein, manchmal aber auch noch weich und beratungsorientiert. Genau an dieser Schnittstelle kann ein Multi-Produkt-Karussell ziemlich wirksam sein. Du zeigst nicht nur ein einzelnes Produkt, sondern mehrere Optionen aus deinem Feed. Der Nutzer kann vergleichen, sich inspirieren lassen und vielleicht schneller auf etwas klicken, das wirklich passt.

Das Multi-Produkt-Karussell: Warum dieses Format für Shops so wichtig werden kann

Das auffälligste Update ist das neue Multi-Produkt-Karussell für Produktfeed-Kampagnen. Dabei werden mehrere Produkte eines Werbetreibenden in einer einzigen Anzeigenfläche angezeigt. Statt also nur eine einzelne Produktkarte auszuspielen, kann die Anzeige eine kleine Auswahl zeigen. Für Nutzer wirkt das wahrscheinlich natürlicher, vor allem wenn sie gerade nach einer Produktkategorie, einer Empfehlung oder einer Auswahl fragen.

Stell dir vor, jemand sucht in ChatGPT nach „guten Laufschuhen für Anfänger mit Knieproblemen“ oder „schönen Geschenken für einen technikbegeisterten Vater“. Eine einzelne Anzeige kann passen, muss aber nicht. Ein Karussell mit mehreren Produkten gibt dem System viel mehr Spielraum. Es kann verschiedene Modelle, Preispunkte oder Varianten zeigen. Für dich als Werbetreibenden bedeutet das: Dein Produktfeed wird deutlich wichtiger. Saubere Titel, gute Bilder, korrekte Preise, Verfügbarkeit, Kategorien und Produktbeschreibungen sind dann nicht mehr nur nette Pflichtfelder, sondern die Grundlage dafür, ob deine Anzeigen überhaupt überzeugend wirken.

Ich habe in der Praxis oft gesehen, dass Unternehmen neue Werbeformate testen, aber ihre Feeds behandeln, als wären sie ein alter Lagerbestand: irgendwie vorhanden, aber nicht gepflegt. Genau das rächt sich bei solchen Formaten. Wenn dein Feed unklare Produktnamen enthält, Bilder nicht einheitlich sind oder wichtige Attribute fehlen, sieht ein Karussell schnell zusammengewürfelt aus. Und in einer ChatGPT-Umgebung, in der Nutzer vermutlich eine gewisse Qualität und Relevanz erwarten, kann das besonders unangenehm auffallen.

Das neue Karussell ist deshalb nicht nur ein Anzeigenformat, sondern ein Qualitäts-Test für deinen Produktfeed. Es zwingt dich fast dazu, deine Produktdaten ernst zu nehmen. Welche Produkte willst du wirklich in solchen Anzeigen sehen? Welche Margen haben sie? Welche Varianten performen gut? Welche Bilder wirken im kleinen Kartenformat? Und welche Produkttexte helfen dem System, die richtige Auswahl zu treffen?

Warum mehrere Produkte in einer Chat-Umgebung besser funktionieren können

In klassischen Suchanzeigen ist der Nutzer oft sehr zielgerichtet. Er gibt einen Suchbegriff ein, sieht Anzeigen, klickt. In Social Ads dagegen ist die Situation häufig unterbrechend. Du scrollst, bekommst etwas gezeigt, vielleicht interessiert es dich. ChatGPT liegt irgendwo dazwischen, und genau das macht es spannend. Der Nutzer ist aktiv, aber oft noch im Gespräch. Er fragt, vergleicht, grenzt ein, lässt sich beraten. Eine Anzeige mit mehreren Produkten kann sich in so einem Umfeld weniger wie eine harte Unterbrechung anfühlen und eher wie eine ergänzende Auswahl.

Natürlich hängt viel davon ab, wie die Anzeige eingebunden wird. Wenn sie plump erscheint, wird sie stören. Wenn sie aber zur Frage passt, kann sie nützlich sein. Und ja, das ist ein schmaler Grat. Aus meiner Erfahrung reagieren Nutzer besonders empfindlich, wenn sie gerade eine beratende Antwort erwarten und dann etwas bekommen, das nach klassischer Werbefläche riecht. Gleichzeitig klicken sie durchaus, wenn das Produkt wirklich relevant ist. Nicht perfekt, aber hilfreich. Manchmal reicht das.

Für dich bedeutet das: Du solltest nicht nur auf Klickpreise schauen. Bei solchen Formaten wird wahrscheinlich auch die Produkt-Relevanz im Kontext entscheidend. Ein gut gepflegter Feed, klare Kategorien und belastbare Conversion-Daten können dem System helfen, die besseren Produkte auszuspielen. Wenn du nur deinen kompletten Katalog ohne Strategie reinschiebst, wird es schwieriger, sinnvolle Erkenntnisse zu gewinnen.

oCPC: Conversion-Optimierung wird zum nächsten großen Schritt

Neben dem Karussell ist die Einführung von conversion-optimierten Cost-per-Click-Kampagnen, kurz oCPC, ein sehr wichtiger Punkt. Diese Funktion ist zunächst als Beta für Produktfeed-Kampagnen verfügbar. Unterstützt werden klickbasierte Kampagnen mit festen oder manuellen Geboten sowie einem positiven Conversion-Bid-Cap. Das klingt technisch, ist aber im Kern recht einfach: Du zahlst weiterhin auf Klickbasis, gibst dem System aber ein Conversion-Ziel mit, damit es die Ausspielung stärker auf Nutzer ausrichten kann, die voraussichtlich konvertieren.

Das ist eine typische Zwischenstufe zwischen rein manuellem CPC und stärker automatisierten Gebotsstrategien. Für viele Werbetreibende kann das angenehmer sein als sofort komplett die Kontrolle abzugeben. Du behältst ein Stück weit dein Gebotsmodell, erlaubst dem System aber, Conversion-Signale zu berücksichtigen. So zumindest die Idee.

Interessant ist auch, dass bestehende CPC-Kampagnen jetzt in neue oCPC-Kampagnen geklont werden können. Außerdem lassen sich oCPC-Kampagnen in größeren Mengen erstellen. Beim Klonen wird das Conversion-Event automatisch vorausgefüllt, wenn nur ein passendes Event vorhanden ist. Gibt es mehrere mögliche Events, musst du eines auswählen. Das klingt nach einer kleinen Bedienungsverbesserung, ist aber in größeren Konten durchaus relevant. Wer viele Kampagnen verwaltet, weiß: Solche Kleinigkeiten entscheiden darüber, ob ein Feature wirklich genutzt wird oder im Alltag liegen bleibt.

Ich würde dir trotzdem raten, oCPC nicht einfach blind auf alles anzuwenden. Gerade in neuen Kanälen ist die Datenbasis oft noch dünn. Wenn du wenig Conversions hast, kann Optimierung schnell wackelig werden. Das System braucht Signale. Es braucht genug Klicks, genug Events, genug Muster. Sonst optimierst du auf Zufälle. Und das sieht in Dashboards manchmal schöner aus, als es real ist.

Welche Conversion-Events du wirklich sauber definieren solltest

Die Frage ist nicht nur, ob du Conversion-Optimierung nutzt, sondern auf welches Ereignis du optimierst. Kaufabschluss? Warenkorb? Lead? Newsletter-Anmeldung? Produktdetailseitenaufruf? Je weiter unten im Funnel, desto wertvoller ist das Signal meistens, aber desto seltener tritt es auf. Je weiter oben im Funnel, desto mehr Daten bekommst du, aber desto unschärfer wird die Optimierung.

Wenn du einen Shop mit vielen täglichen Käufen hast, ist ein Purchase-Event natürlich naheliegend. Wenn du aber nur wenige Verkäufe pro Woche über diesen Kanal erwartest, könnte ein Add-to-Cart oder ein qualifizierter Checkout-Start als Zwischensignal sinnvoll sein. Das ist nicht immer ideal, aber manchmal pragmatischer. Ich sage es ungern, weil jeder gerne auf Umsatz optimieren möchte: In der frühen Testphase ist ein etwas weicheres, aber häufigeres Signal oft hilfreicher als ein perfektes Signal, das kaum eintrifft.

Wichtig ist, dass du die Events sauber benennst, korrekt übergibst und später auch interpretierst. Ein Add-to-Cart ist kein Umsatz. Ein Klick auf eine Produktkarte ist kein Kaufinteresse mit Garantie. Und ein hoher ROAS in einer kleinen Testgruppe ist noch kein Beweis, dass du skalieren kannst. Klingt banal, wird aber ständig vergessen.

Dynamische URL-Parameter: Kleine Funktion, großer Wert für Analyse und Attribution

Ein weiteres Update betrifft dynamische URL-Parameter. Du kannst unterstützte Makros wie campaign_id, ad_group_id, ad_id und ad_account_id in Landingpage-Query-Parametern verwenden. Die Werte werden bei der Auslieferung automatisch eingefügt. Für jemanden, der nicht täglich Kampagnen auswertet, wirkt das trocken. Für Performance-Marketer ist es aber Gold wert.

Warum? Weil du damit besser nachvollziehen kannst, welche Kampagne, welche Anzeigengruppe oder welche Anzeige Traffic und Conversions erzeugt hat. Gerade wenn du Daten in externen Analytics-Systemen, BI-Tools oder CRM-Setups zusammenführst, brauchst du solche Parameter. Ohne sie landest du schnell bei schwammigen Kanalwerten. „ChatGPT Ads hat Umsatz gebracht“ ist nett. Aber welche Kampagne? Welches Produktset? Welche Anzeige? Welche Zielregion? Genau dort beginnt die eigentliche Optimierung.

Aus meiner Erfahrung werden URL-Parameter oft erst dann ernst genommen, wenn schon Chaos entstanden ist. Drei Kampagnen laufen, fünf Teams schauen in unterschiedliche Tools, jeder setzt UTM-Parameter anders, und nach zwei Wochen fragt jemand, warum die Zahlen nicht zusammenpassen. Wenn du jetzt mit ChatGPT Ads testest, solltest du deine Tracking-Struktur vorher festlegen. Nicht danach.

Ein sauberer Parameter-Standard ist keine Bürokratie, sondern spätere Zeitersparnis. Lege fest, wie Kampagnen benannt werden, welche Parameter du nutzt und wie du sie in deinen Analyse-Tools auswertest. Gerade bei einem neuen Kanal möchtest du schnell lernen. Unsaubere Daten bremsen dich dabei mehr als ein etwas höherer CPC.

Was du bei Landingpages nicht vergessen solltest

Dynamische Parameter helfen dir nur, wenn deine Landingpages sie sauber annehmen und deine Tracking-Systeme sie nicht verlieren. Weiterleitungen, Consent-Banner, Shop-Systeme, Payment-Flows und Cross-Domain-Setups können Daten verschlucken. Das klingt nervig, ist es auch. Aber es ist besser, das vor Kampagnenstart zu testen, als später festzustellen, dass deine wertvollsten Klicks zwar teuer waren, aber analytisch im Nebel verschwunden sind.

Ich würde mindestens prüfen, ob die Parameter nach dem Klick sichtbar bleiben, ob sie in deinem Analytics-System ankommen und ob Conversions korrekt den Kampagnen zugeordnet werden. Wenn du serverseitiges Tracking nutzt, wird es noch wichtiger, einmal sauber durchzutesten. Ein Testkauf, ein Testlead, ein Debugging-Durchlauf. Nicht glamourös, aber sehr nützlich.

Integrationen und Conversion-Signale: Es geht um bessere Daten, nicht nur um mehr Tools

Die neuen Integrationen zeigen ebenfalls, dass ChatGPT Ads stärker in bestehende Marketing-Stacks eingebunden werden soll. Eine Integration mit Triple Whale ermöglicht es Marken, die Performance von ChatGPT Ads neben anderen Kanälen zu messen. Zusätzlich ist Sonar Optimize für ChatGPT Ads verfügbar, um stärkere Conversion-Signale zurückzugeben. Außerdem unterstützt Hightouch jetzt das Senden von Conversion-Events an ChatGPT Ads, damit Messung und Optimierung verbessert werden können.

Das Entscheidende daran ist nicht der Name eines bestimmten Tools, sondern die Richtung: Conversion-Daten sollen zuverlässiger, vollständiger und nutzbarer werden. Moderne Werbesysteme leben von Rücksignalen. Wenn du dem System nur Klicks gibst, optimiert es auf Klicks. Wenn du qualifizierte Käufe, Warenkörbe, Leads oder Kundenwerte zurückspielst, kann es besser lernen. Zumindest theoretisch. Praktisch hängt alles davon ab, wie sauber diese Signale sind.

Gerade im E-Commerce ist das ein Dauerthema. Plattformdaten, Shopdaten, Analytics-Daten und CRM-Daten stimmen selten perfekt überein. Rückgaben, Stornos, Rabatte, Neukundenanteile, Wiederkäufer, Margen – all das macht die Bewertung komplizierter. Wenn du ChatGPT Ads ernsthaft testest, solltest du nicht nur auf den ersten Kauf schauen. Vielleicht bringt der Kanal Nutzer mit hoher Beratungsintention. Vielleicht kaufen sie später. Vielleicht sind sie wertvoller, weil sie vorher schon ganz konkrete Fragen gestellt haben. Oder vielleicht auch nicht. Genau deshalb brauchst du gute Daten.

Was mir an solchen Updates gefällt: Sie machen deutlich, dass der Ads Manager nicht nur hübscher werden soll, sondern operativ brauchbarer. Wer größere Budgets verwaltet, braucht Diagnostik, APIs, Integrationen und Fehlermeldungen. Ohne diese Dinge bleibt ein Kanal ein Spielzeug. Mit ihnen wird er zumindest potenziell ein ernstzunehmender Bestandteil im Performance-Mix.

Pixel-Diagnosen: Endlich mehr Klarheit bei verworfenen Events

Ein Update, das vielleicht weniger Aufmerksamkeit bekommt, aber im Alltag enorm hilfreich sein kann, betrifft die Pixel-Validierungsdiagnosen. Im Ads Manager sollen zusätzliche Details angezeigt werden, wenn Events nicht korrekt verarbeitet wurden. Du kannst sehen, warum Events verworfen wurden, welches Feld betroffen ist, welcher Fehlertyp vorliegt und welche Korrektur empfohlen wird. Aufrufen kannst du diese Diagnosen im Bereich Tools, dann Conversions, dort im Diagnosebereich auf der rechten Seite.

Das ist ein gutes Beispiel für ein Feature, das niemand auf einer Konferenz groß feiern würde, das aber echten Ärger spart. Tracking-Probleme sind selten offensichtlich. Manchmal feuert ein Event, aber ein Pflichtfeld fehlt. Manchmal ist ein Wert im falschen Format. Manchmal wird ein Event doppelt gesendet oder gar nicht erst weitergeleitet. Ohne Diagnose starrst du dann auf sinkende Conversion-Zahlen und weißt nicht, ob deine Kampagne schlechter wird oder dein Tracking kaputt ist.

Mehr Transparenz bei verworfenen Events ist deshalb ein wichtiger Schritt in Richtung professioneller Kampagnensteuerung. Besonders bei oCPC und anderen optimierungsbasierten Funktionen ist fehlerhaftes Tracking gefährlich. Wenn das System falsche oder unvollständige Daten bekommt, trifft es auch schlechtere Entscheidungen. Das ist wie ein Verkäufer, der nur jeden dritten Kauf mitbekommt und daraus ableiten soll, welche Kunden wirklich wertvoll sind.

Ich würde dir empfehlen, diese Diagnosen nicht nur bei Problemen anzuschauen. Mach es regelmäßig, gerade nach Änderungen an Website, Shop, Consent-Setup oder Tag-Manager. Viele Trackingfehler entstehen nicht durch große Relaunches, sondern durch kleine Anpassungen. Ein neues Formularfeld, ein geänderter Checkout-Schritt, ein Script, das später lädt. Zack, schon ist ein Event nicht mehr sauber.

Automatic Advanced Matching: Mehr Zuordnung, aber du solltest Datenschutz bewusst prüfen

Ein weiteres wichtiges Update betrifft Automatic Advanced Matching, kurz AAM. Für neue Web-Pixel ist AAM jetzt standardmäßig aktiviert. Am 17. August 2026 soll es auch für bestehende Web-Pixel aktiviert werden. AAM hilft dabei, mehr Conversions Anzeigen zuzuordnen, indem gehashte Kundeninformationen aus Website-Formularen verwendet werden. Wenn du das nicht möchtest, kannst du vorher widersprechen beziehungsweise die Funktion deaktivieren. Das geht über Tools, Conversions, Data Source und dann über die Bearbeitung des Pixels.

Technisch ist der Gedanke klar: Durch zusätzliche, gehashte Kundendaten kann das System Nutzer besser wiedererkennen und Conversions zuverlässiger den Anzeigen zuordnen. Gerade in einer Welt mit Cookie-Einschränkungen, Consent-Lücken und fragmentierten Nutzerpfaden sind solche Matching-Verfahren für Werbeplattformen sehr wertvoll. Mehr zugeordnete Conversions bedeuten bessere Berichte und potenziell bessere Optimierung.

Aber hier solltest du nicht einfach nur aus Performance-Sicht denken. Datenschutz, Einwilligung und interne Compliance sind wichtig. Gehashte Daten sind nicht gleichbedeutend mit „egal“. Je nach Markt, Rechtsraum und Consent-Setup musst du prüfen, ob und wie du solche Daten übertragen darfst. Ich bin kein Freund davon, jede technische Tracking-Funktion reflexartig zu aktivieren, nur weil sie bessere Zahlen verspricht. Bessere Attribution ist gut. Saubere Grundlage ist besser.

Wenn du in einem größeren Unternehmen arbeitest, sprich mit Datenschutz, Legal oder deinem Tracking-Team. Wenn du einen kleineren Shop betreibst, solltest du zumindest dein Consent-Setup und deine Datenschutzhinweise prüfen lassen. Manchmal ist das lästig, aber es schützt dich vor deutlich unangenehmeren Diskussionen später.

Brasilien und Mexiko: Mehr Reichweite, aber nicht einfach kopieren

ChatGPT Ads sollen außerdem in Brasilien und Mexiko starten. Für Werbetreibende, die in diesen Märkten aktiv sind oder dorthin expandieren möchten, eröffnet das neue Reichweite. Auf dem Papier klingt internationale Expansion oft simpel: Kampagnen kopieren, Sprache anpassen, Budget setzen. In der Realität ist es selten so glatt.

Brasilien und Mexiko sind große, dynamische Märkte, aber sie haben eigene Kaufgewohnheiten, Zahlungsarten, Preissensibilitäten, Liefererwartungen und kulturelle Unterschiede. Wenn du dort wirbst, solltest du nicht nur deine Anzeigen übersetzen. Du solltest prüfen, ob deine Produktfeeds lokal passen, ob Preise und Versandinformationen stimmen, ob Landingpages wirklich lokalisiert sind und ob dein Kundenservice die Erwartungen erfüllen kann.

Gerade bei einer beratenden Umgebung wie ChatGPT können lokale Nuancen wichtiger werden. Nutzer fragen nicht nur nach Produktnamen, sondern nach Empfehlungen für ihre Situation. Wenn die Anzeige dann auf eine Seite führt, die nicht lokal vertrauenswürdig wirkt, verlierst du schnell Potenzial. Also ja: neue Märkte sind spannend. Aber bitte nicht nach dem Motto „einfach duplizieren und hoffen“.

Was du jetzt praktisch tun solltest

Wenn du ChatGPT Ads bereits nutzt oder einen Test planst, würde ich zuerst drei Dinge prüfen. Nicht zehn. Drei reichen für den Anfang, sonst verzettelst du dich.

Erstens: Bring deinen Produktfeed in Ordnung. Das Karussell macht deine Produktdaten sichtbarer. Gute Bilder, klare Titel, sinnvolle Kategorien, aktuelle Preise und Verfügbarkeiten sind Pflicht. Achte auch darauf, welche Produkte du überhaupt bewerben möchtest. Nicht jedes Produkt eignet sich gleich gut für ein Empfehlungsumfeld.

Zweitens: Definiere deine Conversion-Strategie sauber. Überlege, ob du für oCPC genug Daten hast und welches Event sinnvoll ist. Wenn du auf Käufe optimierst, brauchst du ausreichend Kaufdaten. Wenn du ein weicheres Event nutzt, musst du wissen, dass du nicht direkt auf Umsatz optimierst. Klingt simpel, ist aber strategisch entscheidend.

Drittens: Teste dein Tracking vor dem Skalieren. Dynamische URL-Parameter, Pixel-Diagnosen, Conversion-API, AAM, externe Tools – das alles ist nur wertvoll, wenn die Daten stimmen. Mach Testklicks, prüfe Events, kontrolliere Parameter und schau dir Diagnosemeldungen an. Ich weiß, das fühlt sich nicht so spannend an wie neue Kampagnen zu starten. Aber es ist oft der Unterschied zwischen einem brauchbaren Test und einem teuren Ratespiel.

Mein persönlicher Eindruck: ChatGPT Ads befindet sich gerade in einer Phase, in der aus einem neuen Anzeigenkanal langsam ein ernstzunehmendes Performance-System wird. Noch ist sicher nicht alles ausgereift. Es wird Kinderkrankheiten geben, unklare Benchmarks, vermutlich auch schwankende Ergebnisse. Aber die Richtung ist klar. Produktanzeigen, Conversion-Optimierung, bessere Messung und internationale Expansion sind keine kleinen kosmetischen Änderungen.

Wenn du früh testest, hast du die Chance, Lernkurven aufzubauen, bevor der Kanal voller und teurer wird. Aber früh testen heißt nicht planlos testen. Gerade jetzt lohnt sich ein nüchterner, handwerklicher Ansatz: Feed sauber machen, Tracking stabil halten, Kampagnen strukturiert aufsetzen und Ergebnisse nicht nach zwei Tagen überinterpretieren.

Das große Thema hinter all diesen Updates ist Vertrauen in Daten. Das Karussell braucht gute Produktdaten. oCPC braucht gute Conversion-Daten. URL-Parameter brauchen saubere Analyseprozesse. AAM und APIs brauchen klare Datenschutz- und Tracking-Entscheidungen. Wenn diese Grundlage stimmt, kann ChatGPT Ads für dich ein spannender neuer Kanal werden. Wenn sie nicht stimmt, bekommst du nur ein weiteres Dashboard mit Zahlen, denen niemand so richtig traut.

Und genau da trennt sich meistens die Spreu vom Weizen. Nicht bei der Frage, wer das neueste Anzeigenformat zuerst aktiviert. Sondern bei der Frage, wer es so vorbereitet, dass daraus echte Erkenntnisse und am Ende profitable Kampagnen entstehen.

Tom Brigl

Tom ist Dipl. Betrw. und Geschäftsführer. Er bringt 21 Jahre E-Commerce-Erfahrung sowie 17 Jahre eigenes Agentur-Business mit.
Sein Ding: SEO und GEO für Online-Shops – damit du bei Google und in der KI-Suche gefunden wirst.

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