Wenn du URLs für deine Website planst, klingt ein Bindestrich erst einmal wie ein winziges Detail. Ein Zeichen. Ein Strich. Nichts, worüber man lange sprechen müsste. Und trotzdem steckt genau in solchen Kleinigkeiten oft ein Stück technische Klarheit. Google hat seine Empfehlungen zur URL-Struktur leicht überarbeitet, genauer gesagt den Abschnitt zur Trennung von Wörtern in URLs. Die Kernaussage bleibt gleich: Wörter in URLs sollten nach Möglichkeit mit Bindestrichen getrennt werden, nicht mit Unterstrichen.
Das ist keine Revolution und schon gar kein Grund, hektisch alte URLs umzubauen. Aber es ist eine dieser kleinen Änderungen, die zeigen, wie Google bestimmte Dinge sprachlich präzisiert. Aus meiner Erfahrung sind solche Anpassungen selten zufällig. Sie verändern nicht unbedingt die SEO-Welt, aber sie machen deutlicher, was Google unter einer sauberen, verständlichen URL versteht. Und genau dort wird es interessant: Es geht nicht nur um Maschinen, sondern auch um Menschen, die eine URL lesen, teilen oder einschätzen.
Was sich an der Empfehlung geändert hat
Die aktualisierte Empfehlung lässt sich recht einfach zusammenfassen: Wenn du mehrere Wörter in einer URL verwendest, solltest du sie trennen. Und wenn du sie trennst, dann idealerweise mit einem Bindestrich (-). Unterstriche (_) werden weiterhin nicht empfohlen.
Die neue Formulierung sagt sinngemäß:
Es wird empfohlen, Wörter in URLs nach Möglichkeit voneinander zu trennen. Insbesondere sollten Bindestriche (-) statt Unterstriche (_) verwendet werden, weil sie Nutzern und Suchmaschinen helfen, Konzepte in der URL besser zu erkennen. Aus historischen Gründen werden Unterstriche nicht empfohlen, da sie häufig verwendet werden, um Konzepte zu kennzeichnen, die zusammengehören, etwa in Programmiersprachen bei Funktionsnamen wie format_date. Bindestriche hingegen signalisieren klar eine Wortgrenze.
Vorher war die Aussage sehr ähnlich. Auch dort wurde schon empfohlen, Bindestriche statt Unterstriche zu verwenden. Der Unterschied liegt eher in der Präzisierung. Die alte Version sagte, Unterstriche seien nicht ideal, weil „dieser Stil“ bereits häufig genutzt werde, um zusammengehörige Konzepte zu kennzeichnen. Die neue Version formuliert es direkter: Unterstriche werden häufig genutzt, um Konzepte zusammenzuhalten, während Bindestriche eindeutig eine Wortgrenze markieren.
Das klingt erst einmal nach Feinschliff. Und genau das ist es auch. Aber dieser Feinschliff macht die Begründung klarer. Es geht nicht nur darum, dass Google Bindestriche irgendwie lieber mag. Es geht darum, wie Zeichen traditionell interpretiert werden. Ein Bindestrich trennt. Ein Unterstrich verbindet eher. Zumindest in vielen technischen Kontexten.
Wenn du schon einmal mit Dateinamen, Variablen oder Funktionen in Code gearbeitet hast, kennst du das vermutlich. Ein Ausdruck wie format_date fühlt sich wie eine zusammengehörige Einheit an. Er ist nicht unbedingt als zwei frei stehende Wörter gedacht, sondern als ein technischer Bezeichner. Eine URL wie /format-date/ wirkt dagegen deutlich mehr wie zwei getrennte Wörter: „format“ und „date“. Genau dieser Unterschied ist der Kern der Anpassung.
Warum Bindestriche in URLs sinnvoller sind
Eine gute URL muss nicht schön im literarischen Sinn sein. Aber sie sollte verständlich sein. Wenn du dir eine URL ansiehst, möchtest du möglichst schnell erkennen, worum es auf der Seite geht. Suchmaschinen wollen das im Grunde auch. Sie analysieren zwar viel mehr als nur die URL, aber eine klare URL ist eben ein weiteres Signal im Gesamtbild.
Nimm zum Beispiel diese beiden Varianten:
/seo-tipps-fuer-anfaenger/
/seo_tipps_fuer_anfaenger/
Beide sind lesbar. Keine Frage. Aber die erste Variante wirkt natürlicher. Die Wortgrenzen springen sofort ins Auge. Du musst nicht kurz überlegen, ob der Unterstrich Teil eines technischen Bezeichners ist oder einfach nur ein Trenner. Beim Bindestrich ist die Sache eindeutig. Er sagt: Hier endet ein Wort, dort beginnt das nächste.
Genau diese Eindeutigkeit ist der Punkt. Bindestriche helfen Nutzern und Suchmaschinen, einzelne Begriffe in der URL leichter voneinander zu unterscheiden. Das heißt nicht, dass eine Seite mit Unterstrichen automatisch schlecht rankt. So einfach funktioniert SEO nicht, auch wenn manche gern einfache Regeln daraus machen. Aber wenn du eine neue URL anlegst, gibt es wenig Gründe, Unterstriche zu verwenden.
Ich habe in Projekten oft gesehen, dass URLs historisch gewachsen sind. Da gibt es alte CMS-Strukturen, importierte Produktdaten, ehemalige Entwickler-Konventionen oder schlicht Gewohnheiten. Manche URLs sehen dann aus wie Dateinamen aus einem internen Archiv: /produkt_kategorie_neu_final/. Funktioniert technisch. Sieht aber eben nicht besonders nutzerfreundlich aus. Eine sauberere Variante wie /produkt-kategorie-neu/ ist sofort klarer. Nebenbei wirkt sie auch weniger nach Baustelle.
Der Unterschied zwischen Trennen und Zusammenhalten
Die überarbeitete Formulierung betont einen kleinen, aber wichtigen Gedanken: Unterstriche stehen in vielen technischen Umgebungen eher für zusammengehörige Begriffe. Das ist ein historisches Ding. In Programmiersprachen, Datenbankfeldern oder internen Systemen werden Unterstriche oft verwendet, weil Leerzeichen dort unpraktisch oder nicht erlaubt sind. So entstehen Begriffe wie customer_id, created_at oder format_date.
Wenn du so etwas liest, denkst du nicht automatisch an einzelne natürlichsprachliche Wörter. Du nimmst es eher als zusammenhängenden Namen wahr. Bei URLs ist das aber nicht unbedingt gewünscht. Eine URL soll für den Menschen möglichst schnell erfassbar sein. Darum ist /rote-schuhe-damen/ einfach besser als /rote_schuhe_damen/. Der Bindestrich macht den Lesefluss klarer.
Manchmal ist es überraschend, wie stark solche Kleinigkeiten die Wahrnehmung verändern. Eine URL mit Bindestrichen sieht oft moderner, aufgeräumter und „webtypischer“ aus. Eine URL mit Unterstrichen erinnert schneller an technische Systeme, Exporte oder alte Strukturen. Das ist kein harter Rankingfaktor im Sinne von „Bindestrich gleich Platz 1“. Aber für Klickvertrauen, Lesbarkeit und professionelle Wirkung spielt es durchaus eine Rolle.
Was du daraus für deine eigene Website ableiten solltest
Die wichtigste praktische Aussage ist ziemlich simpel: Wenn du neue URLs erstellst, verwende Bindestriche zwischen Wörtern. Das gilt für Blogartikel, Produktseiten, Kategorieseiten, Ratgeberseiten, Landingpages und im Grunde alles, was eine sprechende URL bekommen soll.
Eine gute URL könnte so aussehen:
/beste-wanderschuhe-fuer-den-winter/
Oder:
/google-ads-kampagne-optimieren/
Oder:
/crm-software-fuer-kleine-unternehmen/
Du siehst sofort, worum es geht. Die Wörter sind getrennt, der Inhalt ist erkennbar, und die URL ist nicht unnötig kompliziert. Genau das ist der Punkt. Eine URL sollte nicht versuchen, alles zu erklären. Sie ist kein Roman. Aber sie sollte genug Struktur geben, damit Nutzer und Suchmaschine den groben Kontext verstehen.
Wichtig ist auch: Du musst nicht aus jeder kleinen Empfehlung ein großes Migrationsprojekt machen. Wenn deine Seite bereits viele URLs mit Unterstrichen hat und diese URLs gut indexiert sind, Traffic bringen und intern wie extern verlinkt werden, dann wäre ich vorsichtig. Alte URLs nur wegen dieser Präzisierung umzubauen, kann mehr Schaden als Nutzen bringen, wenn Weiterleitungen nicht sauber umgesetzt werden. Das ist so ein klassischer SEO-Fall: Die theoretisch schönere Lösung ist nicht automatisch die praktisch bessere.
Wenn du ohnehin einen Relaunch planst, deine URL-Struktur überarbeitest oder neue Inhalte veröffentlichst, dann ist die Sache klar. Setze auf Bindestriche. Aber wenn du ein lebendes System mit tausenden bestehenden URLs hast, solltest du erst prüfen, ob eine Änderung wirklich notwendig ist. In vielen Fällen reicht es völlig, die Regel ab jetzt sauber anzuwenden.
Warum du bestehende URLs nicht vorschnell ändern solltest
Das ist mir wichtig, weil hier schnell falsche Schlüsse entstehen. Eine Empfehlung für Bindestriche bedeutet nicht, dass Unterstrich-URLs plötzlich „kaputt“ sind. Suchmaschinen können mittlerweile sehr viel interpretieren. Google versteht auch chaotische Strukturen oft besser, als man denkt. Aber eine klare Struktur ist trotzdem vorzuziehen, wenn du die Wahl hast.
Das heißt: Bei neuen URLs solltest du es richtig machen. Bei alten URLs solltest du nachdenken. Wenn du eine URL änderst, brauchst du Weiterleitungen. Du riskierst, dass interne Links angepasst werden müssen, externe Links über Redirects laufen, Tracking-Daten unübersichtlicher werden und kurzfristig Signale neu verarbeitet werden. Bei ein paar Seiten ist das überschaubar. Bei einem großen Shop kann es unangenehm werden.
Ich würde daher unterscheiden:
Wenn du gerade eine neue Website baust, ist die Sache einfach: Nutze Bindestriche, halte URLs kurz, verwende relevante Begriffe, vermeide unnötige Parameter, und übertreibe nicht mit Keywords.
Wenn du bestehende URLs mit Unterstrichen hast, aber keine Probleme siehst, würde ich nicht panisch umbauen.
Wenn du ohnehin eine größere technische Bereinigung planst, kannst du die URL-Struktur mit anfassen. Dann aber bitte ordentlich, mit klaren 301-Weiterleitungen, sauberer interner Verlinkung und aktualisierten Sitemaps.
Das klingt vielleicht etwas konservativ. Ist es auch. Aber in der technischen SEO ist konservatives Vorgehen oft gesünder als Aktionismus. Eine URL ist nicht nur eine Adresse. Sie ist ein Verbindungspunkt zwischen Indexierung, internen Links, externen Links, Analytics-Daten und Nutzergewohnheiten.
Die eigentliche Botschaft: Klarheit schlägt Trickserei
Interessant an der Änderung ist weniger, dass Google Bindestriche empfiehlt. Das wusste man im SEO-Bereich schon lange. Interessanter ist der Ton: Die neue Formulierung erklärt klarer, warum Bindestriche sinnvoll sind. Sie „signalisieren eindeutig eine Wortgrenze“. Das ist fast schon die ganze Philosophie guter URL-Strukturen in einem Satz.
Viele Websites machen ihre URLs unnötig kompliziert. Da werden Kategorien doppelt eingebaut, IDs angehängt, Keywords gestapelt oder interne Systemnamen nach außen getragen. Dann entstehen URLs wie:
/shop/category_2187/product_detail_new_version_blue_sneaker_sale/
Technisch mag das funktionieren. Aber schön ist anders. Eine bessere URL wäre vielleicht:
/sneaker/blaue-sneaker/
Oder, wenn es genauer sein soll:
/sneaker/blaue-damen-sneaker/
Die Bindestriche sind dabei nur ein Teil der Sache. Sie passen aber zu einem größeren Prinzip: Mach URLs verständlich, lesbar und stabil. Stabil ist hier ein Wort, das man nicht unterschätzen sollte. Eine gute URL sollte nicht alle paar Monate geändert werden, nur weil sich ein Seitentitel leicht verändert oder eine Kampagne neu benannt wird.
Aus meiner Erfahrung funktionieren URLs am besten, wenn sie nüchtern und dauerhaft gedacht sind. Nicht zu lang. Nicht zu verspielt. Nicht mit Jahreszahlen, wenn der Inhalt zeitlos bleiben soll. Nicht mit Füllwörtern, wenn sie nichts beitragen. Und eben mit Bindestrichen, wenn mehrere Wörter enthalten sind.
Bindestriche sind kein SEO-Zauberstab
Man sollte diese Empfehlung trotzdem nicht größer machen, als sie ist. Eine URL mit Bindestrichen allein macht aus dünnem Inhalt keine starke Seite. Sie ersetzt keine gute Informationsarchitektur, keine brauchbaren Inhalte, keine saubere interne Verlinkung und keine technische Indexierbarkeit.
Wenn eine Seite schlecht ist, rettet sie auch ein perfekter Bindestrich nicht. Das klingt banal, aber es muss gesagt werden. SEO besteht aus vielen kleinen Signalen und ein paar sehr großen Grundlagen. URL-Struktur gehört zu den kleinen bis mittleren Dingen: wichtig für Ordnung, Lesbarkeit und Crawling-Verständnis, aber selten allein entscheidend.
Trotzdem lohnt es sich, solche Details sauber zu halten. Gerade weil sie einfach umzusetzen sind, solange du sie von Anfang an berücksichtigst. Eine schlechte URL-Struktur später zu korrigieren, ist mühsam. Eine gute URL-Struktur direkt anzulegen, kostet fast nichts.
Wie du gute URLs praktisch formulierst
Wenn du jetzt deine eigenen URLs prüfst, würde ich nicht mit einer langen Checkliste anfangen. Schau lieber erst einmal mit gesundem Menschenverstand darauf. Kannst du erkennen, worum es auf der Seite geht? Sind die Wörter sauber getrennt? Würdest du die URL jemandem in einer E-Mail schicken, ohne dich dafür zu schämen? Das ist kein offizieller Test, aber ein erstaunlich brauchbarer.
Eine gute URL sollte in der Regel klein geschrieben sein. Sie sollte relevante Wörter enthalten, aber nicht überladen wirken. Sie sollte keine unnötigen Sonderzeichen nutzen. Und wenn Wörter getrennt werden, dann mit Bindestrichen.
Ein Beispiel aus der Praxis: Angenommen, du schreibst einen Ratgeber über die Pflege von Lederschuhen. Eine URL wie /lederschuhe-richtig-pflegen/ ist klar, kurz und verständlich. Eine Variante wie /lederschuhe_richtig_pflegen/ ist zwar nicht unlesbar, aber weniger ideal. Eine Variante wie /blog/2026/10/21/artikel?id=987-lederschuhe_pflege_final/ wäre dagegen unnötig unruhig.
Natürlich gibt es Spezialfälle. Shops, internationale Websites, Filterseiten, technische Parameter, facettierte Navigation, Sprachversionen. Da wird es schnell komplexer. Aber die Grundregel bleibt erstaunlich stabil: Wo du sprechende URL-Bestandteile verwendest, trenne Wörter mit Bindestrichen.
Was die Änderung über Googles Sicht auf URLs verrät
Die Anpassung zeigt auch, dass Google URLs weiterhin als verständnisförderndes Element betrachtet. Nicht als magisches Rankinginstrument, aber als etwas, das Nutzern und Suchmaschinen helfen kann. Die Formulierung nennt ausdrücklich beide Seiten: Nutzer und Suchmaschinen.
Das finde ich sinnvoll. Denn gute SEO ist selten nur für Bots gemacht. Wenn etwas für Menschen klarer ist, ist es oft auch für Suchmaschinen leichter einzuordnen. Nicht immer, aber häufig. Eine URL ist ein kleiner Hinweis auf den Inhalt und auf die Struktur einer Website. Du solltest diesen Hinweis nicht verschwenden.
Der neue Zusatz, dass Bindestriche eine Wortgrenze klar signalisieren, bringt die Sache auf den Punkt. Es geht um Eindeutigkeit. Ein Unterstrich kann technisch als Verbindung wirken. Ein Bindestrich trennt sichtbar. Diese semantische Kleinigkeit reicht aus, um die Empfehlung zu begründen.
Am Ende bleibt also keine dramatische Nachricht, sondern eine saubere Bestätigung einer langjährigen Praxis. Wenn du URLs baust, mach sie lesbar. Wenn du Wörter trennst, nimm Bindestriche. Wenn du alte Strukturen hast, ändere sie nicht kopflos. Und wenn du gerade neue Inhalte planst, nutze die Gelegenheit, es ordentlich zu machen.
Die praktische Quintessenz: Bindestriche sind in URLs die bessere Wahl, weil sie Wortgrenzen klar anzeigen. Unterstriche sind historisch stärker mit technischen Bezeichnern verbunden, die zusammengehören. Für neue URLs ist die Empfehlung eindeutig. Für bestehende URLs gilt: erst prüfen, dann handeln. Genau diese Mischung aus Klarheit und Ruhe ist meistens der beste Weg.






